Wenn die Decke zur Königsdisziplin wird


Schallschutz ist kein Luxus – er ist eine Grundvoraussetzung für Wohnqualität. Kaum etwas stört das Miteinander im Haus so sehr wie Schritte von oben oder das Quietschen verschobener Möbel. Trotzdem wird er bei Sanierungen oft erst spät thematisiert – nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil statische und räumliche Vorgaben den Handlungsspielraum deutlich einschränken.


Gerade bei Bestandsdecken aus Holz stossen wir als Bauphysiker:innen auf vertraute Herausforderungen: Tragreserven sind begrenzt, zusätzliche Masse nur schwer unterzubringen und die Raumhöhe lässt kaum Spielraum für aufwendige Aufbauten. Die Anforderungen der SIA 181:2020 sind unter diesen Bedingungen nur mit hohem Aufwand vollständig zu erfüllen – oft braucht es clevere, individuelle Lösungen.


Eine bewährte Strategie für besseren Schallschutz ist der gezielte Einsatz von Masse – etwa durch Zementestrich und schwere Splittschüttung – kombiniert mit einer weichfedernden Schicht nach dem Masse-Feder-Masse-Prinzip. Besonders effektiv ist dabei eine Trittschalldämmung mit möglichst geringer dynamischer Steifigkeit s`, idealerweise um 6 MN/m³. Die akustisch optimale Variante mit abgehängter Decke und Federschwingern bleibt im Bestand jedoch meist Wunschdenken, da die notwendige Raumhöhe fehlt oder schöne und erhaltenswerte Stuckdecken vorhanden sind.


Gerade diese Herausforderungen machen Sanierungen so spannend: Jede Sanierung bringt eigene Rahmenbedingungen und damit neue Lösungen mit sich. So auch bei der Webergasse in St. Gallen – ein Projekt, das wir mit Freude begleitet haben. Dort konnten Statik, Brandschutz und Schallschutz von Anfang an zusammengedacht und erfolgreich umgesetzt werden – mit hörbarem Ergebnis.

Architektur: Schertenleib Baumanagement
Tragwerk und Bauphysik: Gerevini Ingenieurbüro AG

Fotos: Gerevini Ingenieurbüro AG