Stark im Fundament


Der Neubau des Dreifachkindergartens an der Iddastrasse in St. Gallen steht beispielhaft für eine zeitgemässe Bildungsinfrastruktur, bei der Architektur, Nutzung und Technik sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. Die Anlage bietet Raum für drei Kindergarteneinheiten sowie eine Tagesbetreuung und wurde konsequent als Holzbau realisiert. Neben der gestalterischen Qualität und der Einbettung in die Hanglage spielten insbesondere die statische Sicherheit, die energetische Leistungsfähigkeit sowie die raumakustische Qualität eine zentrale Rolle in der Planung und Umsetzung.


Im Bereich der Statik lag unsere Verantwortung bei den massiven Bauteilen und der Fundation des Gebäudes. Dazu gehörten insbesondere das Untergeschoss und die Bodenplatten, die Sichtbetonbauteile im Erdgeschoss sowie die Sichtbeton-Stützmauern. Die Bodenplatten wurden als tragende Scheiben konzipiert und so bemessen, dass sämtliche aus dem Gebäude entstehenden Lasten zuverlässig aufgenommen und in den Baugrund abgeleitet werden können. 


Aufgrund des hohen Glasanteils im Erdgeschoss erfolgte die Fundation des Gebäudes über rund 80 Mikropfähle mit einer Gesamtlänge von etwa 950 Metern. Die Fundation auf Mikropfählen wurde gewählt, um differentielle Setzungen zu vermeiden und die langfristige Gebrauchstauglichkeit des Bauwerks sicherzustellen. Die Bodenplatten wirken somit statisch wie eine Decke auf Pfählen.



Auch im Bereich Energie und Wärmeschutz erfüllt das Gebäude hohe Anforderungen. Die geplante Photovoltaikanlage mit 118 Modulen und einer Gesamtleistung von rund 64.8 kWp übertrifft die geforderte Eigenstromerzeugung deutlich. Damit werden die Anforderungen der MuKEn 2014 sowie des Energiegesetzes des Kantons St. Gallen vollständig erfüllt. Die energetischen Nachweise basieren auf U-Wert-Berechnungen der relevanten Bauteile und zeigen, dass der Wärmeschutz des Gebäudes einen effizienten und nachhaltigen Betrieb unterstützt.



Ein weiteres zentrales Thema stellte die Raumakustik dar, die insbesondere in Kindergärten einen wesentlichen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Konzentrationsfähigkeit hat. Gemäss Arbeitsgesetz und den Vorgaben der SUVA müssen Arbeits- und Betreuungsräume so gestaltet sein, dass Lärm die Gesundheit nicht beeinträchtigt. Durch den gezielten Einsatz von LIGNATUR-Decken mit unterschiedlichen akustischen Perforierungen konnten die Nachhallzeiten wirksam reduziert und die geforderten Richtwerte eingehalten werden. Dadurch entsteht eine ruhige, angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre für Kinder und Betreuungspersonal.


Insgesamt zeigt der Dreifachkindergarten Iddastrasse, wie sich tragwerksplanerische Präzision, energetische Effizienz und hochwertige Raumakustik sinnvoll miteinander verbinden lassen. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einem langlebigen, nachhaltigen und kindgerechten Bildungsbau in der Stadt St. Gallen.


Wir danken dem Architektenteam sowie allen beteiligten handwerklichen Firmen herzlich für die sehr gute Zusammenarbeit. Der grosse Einsatz aller Beteiligten zeigt sich im gelungenen Gesamtresultat dieses Projekts.

Architektur: Forrer Stieger Architekten AG
Bauherrschaft: Stadt St. Gallen Hochbauamt
Holzbauingenieur: B3 Kolb AG
Bauingenieurwesen: Gerevini Ingenieurbüro AG
Bauphysik: Gerevini Ingenieurbüro AG

Fotos: Till Forrer