Denkmalgeschützte Scheune


TRANSFORMATION

Im Ortskern von Zollikon wurde eine historische Scheune aus dem 18. Jahrhundert in ein Wohnhaus umgewandelt. Die Massnahme erfolgte im Spannungsfeld zwischen Denkmalpflege, moderner Wohnnutzung und energetischer Ertüchtigung. Der Bau ist Teil eines kleinmassstäblichen Ensembles bestehend aus Wohnhaus, Scheune und Waschhaus und bleibt in seiner ursprünglichen Position und Kubatur vollständig erhalten.


AUF GLEICHER EBENE

Das strukturelle Konzept des Bestands – gegliedert in drei Querzonen (Trotte, Tenne, Remise) – wurde als Grundlage für die Neuorganisation herangezogen. Massive Quermauern dienen weiterhin als tragende Elemente; dazwischen wurden die Geschossdecken partiell geöffnet oder zurück gebaut, um neue räumliche Beziehungen über mehrere Ebenen zu ermöglichen. Der Eingriff bleibt damit minimalinvasiv und reversibel, schafft jedoch einen zeitgemässen Wohnstandard.


BLICKFANG

Die äussere Hülle wurde als interpretiertes Fassadenmotiv neu entwickelt. Eine vorgehängte Holzstruktur, in Teilen öffenbar, ermöglicht ein Wechselspiel zwischen Transparenz, Schutz und Belichtung. Bestehende Materialien wurden soweit möglich erhalten, ergänzt oder in historischer Bauweise ersetzt: Kalkputz auf Mauerwerk, offene Holzschalung, restauriertes Ziegeldach. Die energetische Versorgung erfolgt über eine Erdsondenanlage mit Wärmepumpe, womit das Gebäude heutigen Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit gerecht wird.


IM GLEICHGEWICHT

Sommerlicher Wärmeschutz und Feuchteschutz stellen zentrale Herausforderungen bei der Umnutzung historischer Gebäude dar. Große Raumhöhen, geringe Speichermassen im Dachbereich und ungedämmte Konstruktionen begünstigen einerseits Überhitzung, andererseits das Risiko von Tauwasserbildung. Insbesondere bei erhaltenswerter Bausubstanz sind bauphysikalisch angepasste, reversible Lösungen gefragt, die den Substanzerhalt mit zeitgemäßem Wohnkomfort vereinen.

Im vorliegenden Projekt reagiert eine differenzierte Hüllstrategie auf diese Anforderungen: Die vorgehängte, teils öffenbare Holzstruktur dient als Verschattungsebene und reduziert solare Lasten. Eine feuchteadaptive Innendämmung an der Bruchsteinmauer im Bestand erhält die Diffusionsoffenheit der Konstruktion und schützt vor Kondensatbildung. Die neu hinzugefügte Wandkonstruktion wurde in Holzständerbauweise ausgeführt. Ergänzt durch natürliche Nachtauskühlung über gezielt angeordnete Öffnungsflügel entsteht ein ausgewogenes Raumklima ohne aktive Kühlung. Der Feuchtehaushalt der Bauteile bleibt stabil – Voraussetzung für Langlebigkeit, Behaglichkeit und die dauerhafte Erhaltung der historischen Substanz.


INEINANDERGREIFEN

Das Projekt verfolgt keine museale Rekonstruktion, sondern eine integrative Strategie. Der Umgang mit dem Bestand ist geprägt von Präzision, Zurückhaltung und einem hohen Mass an Respekt gegenüber der vorhandenen Substanz. Durch den bewussten Erhalt der historischen Struktur in Kombination mit gezielten Eingriffen entsteht ein architektonisch eigenständiger Beitrag zur Weiterentwicklung des dörflichen Kontextes.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für die bereichernde Zusammenarbeit.
Dieses Projekt ist nominiert für den Architekturpreis in Zürich. Wir drücken die Daumen.

Architektur: Kämpfen Zinke + Partner AG, Zürich
Ingenieur: Schwarber Staub Bauingenieure, Zürich, Krattiger Engineering AG, Happerswil
Bauphysik: Gerevini Ingenieurbüro AG, St. Gallen

    Fotorechte: Kämpfen Zinke + Partner AG, Zürich
    Fotos Bauphase: Gerevini Ingenieurbüro AG, St. Gallen