IM SCHUTZ DER BÄUME
Das viergeschossige Mehrfamilienhaus an der Sittertalstrasse in St.Gallen wird durch mehrere Parameter bestimmt. Dem landschaftlichen Kontext, welcher sich aus einer weitläufigen Umgebung, dem angrenzenden Waldrand und einer markant steilen Topografie zusammensetzt. Der hoch über dem Tal verlaufenden Fürstenlandbrücke, deren Schatten zu manchen Stunden das Grundstück streift und die Geschichte des Arbeiterhauses der ehemaligen Färberei.
AUF HOCHGLANZ
Der Ersatzneubau greift die vorgefundenen Qualitäten des Bestandes auf, integriert diese und bringt sie bewusst wieder zum Vorschein. Der rechteckige Baukörper sitzt entlang der Strasse und bettet sich in das abfallende Gelände ein.
Die Geschosswohnungen mit ringsum gleichmässig gegliederten Fenstern schaffen einen starken Bezug zum umliegenden, charakterstarken Landschaftsraum. Die lebendige Waschputzfassade mit grünem Andeer Zuschlag, das gelbleuchtende Unterdach, die grünen Fensterläden aus Metall, in Kombination mit den glasierten Klinkern, erinnern an den Vorgängerbau und gliedern sich natürlich in das Ortsbild ein.
BEHAGLICHKEIT
Die gemeinnützige Stiftung hausen + wohnen setzt sich im Raum St. Gallen für die Bereitstellung von zahlbarem Wohnraum ein. Das gemeinsame Ziel kostengünstig zu bauen, konnte durch Reduktionen und eine Einfachheit im Bauen erreicht werden. Gemauerte Aussenwände werden um drei Sichtbetonwände ergänzt, um einerseits die Erdbebenaussteifung zu gewährleisten und andererseits alle Installationen von Dosen und Schaltern einlegen zu können.
Das Mauerwerk im Innenraum bleibt unverputzt, die Holz-Metallfenster schliessen an den Decken an und lassen sich durch den innenbündigen Anschluss fast 180° auf die Aussenwand öffnen. Türdrücker und Fenstergriffe bleiben roh, die Decken und Wände sind schlank ausgeführt, es wird auf zusätzliche Stürzte verzichtet. Das Schalungsbild wird dem Ausführenden überlassen und die Schalungsqualität niedrig gehalten. Eine Stütze im zentralen Raum gliedert den durchgesteckten Wohn- und Essbereich. Das zentrale Mittelstück zwischen den Kammern ermöglicht durch raumhohe Türen Querbezüge durch die gesamte Wohnung. Bad und Küche siedeln sich zusammengefasst als Einbau an der Nordost-Fassade an. Die gelben Blockfutter der Türen und die Oberflächen des Einbaus bringen zusätzliche Wärme in den Innenraum und werden durch den naturfarbenen, beheizten Unterlagsboden ergänzt.
EIN ORT ZUM VERWEILEN
Die zentrale Trennwand zieht sich schräg über die gesamte Länge des Hauses. Diese Rotation ermöglicht im Grundriss eine Variation der Eckkammern, sowie ein grosszügiges, lichtdurchflutetes Treppenhaus. Auch am äusseren Erscheinungsbild des Hauses, an der leicht verdrehten Firstlinie und den asymmetrischen Giebelfassaden, lässt sich die Drehung ablesen und schafft eine Art Gegenbewegung zur dominanten Topografie. Das feine auskragende Blechdach soll die Einfachheit des Hauses unterstreichen. Balkone und eine Sitzbank aus feuerverzinktem Stahl ergänzen das Volumen und aktivieren den Aussenraum. Dieser geht fliessend in die angrenzenden Wiesen und Wälder über.
Wir bedanken uns für die tolle Zusammenarbeit und gratulieren allen Beteiligten recht herzlich zu dem tollen Entwurf und der eindrücklichen Umsetzung.
Studio Romano Tiedje
Stiftung hausen + wohnen
Gerevini Ingenieurbüro AG
Fotos: Jeremiah Schwery